Eine Zugfahrt die ist lustig… oder: auch Eltern können Kackbratzen sein

Über Weihnachten waren wir, wie in jedem Jahr zum kleinen Erholungsurlaub bei meiner Mutter in München. Leider ist die kleine Maus nicht ganz so eine begeisterte Autofahrerin, wie mein Mann, also haben wir uns dazu entschlossen, diesmal mit der Bahn zu fahren. Und da mich nichts mehr stresst, als der Gedanke, dass die Maus andere Menschen nerven könnte, haben wir unsere Sitzplätze im Kleinkindabteil reserviert.

Während der Hinfahrt, waren wir die ganze Fahrt über allein im Abteil. Das war echt erholsam, denn die Maus konnte laut sein und sich im Abteil frei bewegen, so dass die knapp sechs Stunden Fahrtzeit recht gut rumgegangen sind.
Uns war leider jetzt schon bewusst, dass die Rückfahrt wahrscheinlich nicht so ruhig werden wird, da an einem Sonntag nach den Weihnachtstagen deutlich mehr Menschen unterwegs sein werden, als am 24.12.
So war es dann leider auch…

Die erste Hälfte der Fahrt war, wie während der Anfahrt schön ruhig und wir hatten das Abteil ab Nürnberg für uns alleine. Schön wäre es gewesen, wenn wir mit diesem Zug hätten weiterfahren können. Stattdessen mussten wir in Kassel in den Zug nach Hamburg umsteigen.

Wir sind in den Zug gestiegen und zu unseren Plätzen ins Kleinkindabteil gegangen, das natürlich komplett voll war. Auf meine Bitte, doch unsere reservierten Plätze freizumachen haben die Eltern, der beiden Jungs, die auch in dem Abteil saßen gerade noch reagiert, so dass wir uns zu dritt auf zumindest zwei der drei gebuchten und bezahlten Plätze bequemen konnten. Wo wir die Koffer hinstellen, war ihnen wohl egal, denn in den Gepäckablagefächern wurde kein Platz gemacht. Stattdessen durfte sich der kleinere der beiden Jungs dort oben austoben.
Bis auf unseren großen Koffer stand unser Gepäck also zumindest teilweise unter unseren Sitzen.

Um nicht die ganze Fahrt über in eine Diskussion zu kommen, habe ich beschlossen nichts zu sagen und die nächsten drei Stunden einfach auszuhalten, als ich im nächsten Augenblick einen der beiden Jungs dabei erwischt habe, wie er unsere Tasche, die unter dem Tisch stand, ausräumte.
Mein schockierter Blick ging zur Mutter, die wie zu erwarten, nicht reagierte. Erst als ich dem Jungen sagte, dass jetzt Schluss ist, meinte sie „Hast du nicht gehört? Die Frau da hat gesagt, dass jetzt Schluss ist.“ Das wars. Keine Entschuldigung und keinen weiteren Satz an das Kind.

Wieder habe ich nichts gesagt, sondern einfach versucht weiter durchzuhalten… Zumindest bis die Mutter dem größeren Jungen verboten hat auf den Sitzen und der Gepäckablage, weil „die anderen Eltern hier das nicht wollen!“
Ein trockenes „Und ich will es nicht, weil das ein rücksichtsloses und unmögliches Verhalten ist.“ konnte ich mir nicht mehr verkneifen…

Ich war also so auf 180, dass wir schon 20 Minuten, bevor der Zug in Hamburg ankommen sollte, aufgestanden und zur Tür gegangen sind.
Natürlich konnten wir beim Rausgehen aus dem Abteil keinerlei Rücksicht erwarten, denn sonst hätte man ja seine Füße und sein Gepäck bewegen müssen.
So sind wir also in zwei Etappen aus dem Abteil. Zuerst mit der Maus und dem kleinen Gepäck und dann hat der Superheld noch den großen Koffer geholt. Dabei hat es die Mutter dieser Familie tatsächlich noch gewagt ihm zu sagen, dass die -im Übrigen sehr sehr kleine- Mülltüte doch auch noch zu uns gehört. In diesem Moment war mein Supermann der Beste, denn er antwortete ganz trocken: „Dürft ihr behalten, da ist ´ne ganze Portion Rücksicht und gutes Benehmen für euch drin!“

Anfangs dachte ich mir noch die ganze Zeit, dass diese beiden Jungs die größten, verzogensten Kackbratzen sind, die ich je gesehen habe. Aber letztendlich sind Kinder so, wie sie sind. Und diese sind eben so, weil sich scheinbar niemand mit ihnen beschäftigt, oder sich dafür interessiert, was sie tun.
Man kann nicht von Kindern im Kita-Alter erwarten, dass sie sich benehmen und selbst beschäftigen, während Mama und Papa seelenruhig danebensitzen, ihre Zeitung lesen, auf nichts reagieren und scheinbar selbst nicht wissen, wie man sich in der Öffentlichkeit zu benehmen hat. Vor allem nicht auf so einer langen Zugfahrt.

Da aber die ganze Fahrt über noch nicht einmal ein „Danke“ für den zusätzlichen Sitz, der eigentlich uns zustand oder ein „Entschuldigung“ für das Durchwühlen unserer Tasche kam, weiß ich jetzt schon, dass es die beiden Jungs mal schwer haben werden… Bei dem Vorbild.

Aber eine positive Sache hat mir die Fahrt gebracht. Ich habe das erste Mal seit zwei Jahren das Gefühl, dass ich eine tolle Mutter bin…

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10 Gedanken zu “Eine Zugfahrt die ist lustig… oder: auch Eltern können Kackbratzen sein

  1. Martina schreibt:

    Ja!!
    Ich habe das Gefühl es wird immer schlimmer und diese Kinder werden ihre Kinder natürlich auch nicht besser erziehen, sie denken ja das Verhalten sei normal.
    Manchmal würde ich gerne die ganze Welt durchrütteln und ändern um sie wieder in geregelte Bahnen zu bringen.
    Da das aber nicht geht, schaue ich einfach selbst so zu sein wie ich andere gerne hätte
    LG
    Martina

    Gefällt 1 Person

    • phidalina schreibt:

      Hallo Martina,
      das ist ja schonmal ein guter Vorsatz.
      Mir tun die Kinder vor allem leid, denn sie werden es im späteren Leben schwer haben, wenn sie nicht mal Grundlegendes, wie Höflichkeit und Rücksichtnahme lernen…

      LG
      Daniela

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  2. moechtegernautorin schreibt:

    Einer der Jungen ist in die Gepäckfächer geklettert? O_o Ist länger her, dass ich in so einem Abteil saß, aber … geht das überhaupt?

    Alles in allem hast du recht: das war unmöglich! Wenn man schon auf reservierten Plätzen sitzt, hat man die freizumachen, wenn derjenige kommt, der sie reserviert hat. Kinder sollten auch im Kleinkindabteil nicht rumklettern – da kann ja auch was kaputtgehen. Und Mütter haben ihren Kindern beizubringen, dass sie auf keinen Fall FREMDE Taschen ausräumen sollen!
    Allein wenn ich das lese ärgere ich mich schon 😦 Die Kinder tun mir jedenfalls leid.

    Andererseits habe ich mir schon öfter gedacht, die Bahn sollte mindestens ein Indoor-Spielplatz-Abteil pro ICE anbieten 😉

    Gefällt 1 Person

    • phidalina schreibt:

      Ja, es geht… Ich war auch überrascht, als sich da oben plötzlich was bewegte. Zwischen Sitz und Kofferablage ist noch eine kleine Hutablage. Da lässt sichs wunderbar klettern.
      So ein Indoor-Spielplatz wäre natürlich toll, aber ich denke es hätte schon viel gebracht, wenn Mama und Papa nicht nur stur in ihre Zeitung geguckt hätten.

      LG
      Daniela

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    • phidalina schreibt:

      Hallo Nadine,
      würde wohl nicht weniger stressig werden. Da würde die Maus echt meckern. Klar, wer möchte schon ohne Bewegung 8-10 Stunden in so einen engen Kindersitz geschnallt werden. Der Zug ist da mit knappen 6 Stunden deutlich schneller…
      Zum Glück fahren wir nur 2mal im Jahr nach München und solche Familien sind glücklicherweise ja auch die Ausnahmen…

      LG
      Daniela

      Gefällt 1 Person

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