Eltern erziehen ist schwer…

Am Wochenende nehme ich mir, trotz meines Mama-Daseins das Recht heraus auszuschlafen, da ich wochentags grundsätzlich eine Stunde eher aufstehe als der Mann, damit er Zeit hat sich in aller Ruhe und alleine fertig machen kann, während ich mich um die Maus kümmere. Vom Zeitlichen her müsste ich das nicht, denn ich gehe deutlich früher aus dem Haus, als der Mann und die Maus.

Normalerweise würde Ausschlafen in meinem Fall bedeuten, dass ich mindestens bis mittags im Bett liege.
Leider schaffe ich zurzeit immer nur bis halb zehn. Das liegt aber nicht, wie manch einer vielleicht denkt, an einer mittlerweile erworbenen senilen Bettflucht, sondern an den ständigen „Streitereien“ zwischen der Maus und dem Mann.

Es ist schon ein ungeschriebenes Gesetz. Sobald die beiden allein in irgendeinem Raum sind, wird sich angezickt. Die Schlafzimmertür und die Wohnzimmertür werden vom Papa mittlerweile schon grundsätzlich offen gelassen, damit Mama auch schnell wach wird und aufsteht.
Man könnte meinen, dass sich mein mittlerweile fast 31 Jahre alter Mann erwachsen benehmen kann. Ja, das kann man nicht nur meinen, sondern auch erwarten… Stattdessen wird er zum trotzigen Kleinkind und ärgert sich über alles.

Die Maus ist natürlich nicht blöd und weiß inzwischen schon ganz genau, wie sie ihren Willen bekommt und ihren Papa auf die Palme bringt. Leider hat mein Superheld nicht das Durchhaltevermögen endlich mal konsequent zu handeln, frei nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende…“
Stattdessen macht er es sich leicht und erlaubt vieles, was ich nicht erlaube. „Nicht, dass sie wieder einen Wutanfall bekommt…“ ist dann oft seine Ausrede.

Während ich mittlerweile meine Linie gefunden habe und vollkommen intuitiv an die Sache Erziehung herangehe, scheint ihm der natürliche Sinn dafür zu fehlen. Ohne Linie und ohne Verstand. Hauptsache Spaß mit der Maus. Im nächsten Augenblick wundert er sich darüber, warum die Maus nicht auf ihn hört, wenn er etwas von ihr möchte.
Wie man sich sicherlich vorstellen kann, ist dieses Thema häufig ein Grund zu streiten, da ich ihn immer wieder von seiner Palme herunter bringen muss.

Es ist anstrengend, dass ich ihm immer wieder erklären muss, dass er seine eigene Linie finden muss und nicht immer versuchen soll mich nachzuahmen. Das ist unauthentisch und die Maus nimmt ihn nicht ernst, wenn er ihr was sagt. Auf mich dagegen hört sie mittlerweile fast immer… Vorausgesetzt sie steckt nicht gerade in einem Trotzanfall 😉

Ich kann nur hoffen, dass der Supermann bald seine eigene Linie findet…

Wie ist es bei euch? Seid ihr euch in Erziehungsfragen immer einig oder hat einer von euch auch Probleme in seine Rolle zu finden?

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3 Gedanken zu “Eltern erziehen ist schwer…

  1. Frühlingskindermama schreibt:

    Sehr spannend und sehr ehrlich! Also bist Du der bad cop, auf den sie aber besser reagiert, und er der good cop? Hat er denn auch das Gefühl, dass sie nicht auf ihn hört oder kommt er für sein Gefühl ganz gut mit ihr klar? Wenn er Spaß mit der Kleinen hat, worüber ärgert er sich dann so sehr? Weswegen zickt er sich mit der Maus an, wenn er doch „mehr erlaubt“ und es eigentlich dadurch ruhiger sein müsste? Ist er denn mit Deinen Grundsätzen und Regeln einverstanden oder vertritt er ganz andere Prinzipien? Trefft ihr euch in der Mitte oder setzt einer seine Linie tendenziell durch?
    Ich denke, grundsätzlich haben Väter weniger mit „Erziehung“ am Hut, weil sie erstens weniger darüber reflektieren, zweitens weniger lesen und vor allem, sich weniger austauschen. So ist meine Erfahrung. Ein befreundeter Papa sagt regelmäßig zu mir, wenn ich mal nachhake, warum er etwas macht: „Weil es meine Eltern auch schon so gemacht haben.“ Grrr, da kommt mir die Galle hoch. Sie hinterfragen sich auch kaum und entwickeln sich weniger weiter als Mütter, glaube ich. Das ist bei uns auch so, obwohl die Rollen anders verteilt sind (und wir uns deshalb logischerweise auch in einigen Dingen uneinig sind). Ich bin viel weicher, nachgiebiger und geduldiger mit den Kindern und ich habe das Gefühl, dass sie bei mir besser mitmachen. Mein Mann ist ein toller Spielepapa, ist sehr engagiert etc. macht aber tendenziell das, was er meint, was Erziehung sei. Ohne Hintergrundwissen, ohne Austausch, ohne Reflektion. Er will mehr reglementieren als ich und denkt wahrscheinlich, die Kinder „funktionieren“ bei ihm schlecht, weil ICH sie nicht so drille (überspitzt gesagt). In seinen Augen bin ich viel zu wenig streng. Streng sein wiederum will ich überhaupt gar nicht. Wir haben also ganz verschiedene Ansichten darüber, wie man generell mit Kindern umgehen sollte, und einen unterschiedlichen Wissenshintergrund. Das macht es schwierig, Kompromisse in heiklen Fragen zu finden. Vielleicht ist Dein Mann aber auch ähnlich wie ich sehr empathisch und kann es nicht sehen, wenn das Kind leidet oder unglücklich ist? Und ist deswegen nachgiebiger? Kann das eventuell neben Deinem Ansatz friedlich koexistieren? Ich verstehe Dich, dass das gerade in solchen Situationen wie morgens am Wochenende blöd ist, wenn es sozusagen ohne Deine Anwesenheit nicht funktioniert. Bei uns war das lange Zeit und ist es auch oft noch umgekehrt: wenn ich, der good cop, nicht da bin, wird zwar erstmal toll gespielt, aber es gibt innerhalb kurzer Zeit ein emotionales Desaster;). Das nervt mich auch sehr, vor allem ändert sich auch nichts, egal, wie oft man Dinge anspricht. Dafür kann mein Mann z.B. länger ohne oder mit wenigen Auszeiten funktionieren, wo ich schon längst durchdrehe. Ich denke, es gibt in den meisten Familien ähnliche Probleme und finde es immer gut, sowas authentisch zu lesen. Jetzt ist der Kommentar fast genauso lang wie der Text geworden:)
    Ein weites und spannendes Thema!
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • phidalina schreibt:

      “bad cop” ist vielleicht etwas zu viel gesagt. Ich bin konsequent und stehe dazu, was ich sage und halte mich daran, kann aber auch immer erklären, warum ich gewisse Dinge für sinnvoll oder nicht sinnvoll halte.
      Ich lasse so auch viele Dinge durchgehen und sie viel ausprobieren, solange nichts dabei kaputt geht oder irgendetwas anderes schlimmes passieren kann. Da bin ich dann auch tiefenentspannt, wenn sie mal z.B auf die Nase fällt…
      Er will “Spaß haben”, was in dem Fall oft heißt, dass er sich vorallem nicht mit ihrer Reaktion auf sein “Nein” auseinandersetzen möchte (Von ihren Wutanfällen habe ich ja schon mal geschrieben 😉 )
      Mache ich ihn darauf aufmerksam, dass er ein wenig konsequenter sein sollte, dann verwechselt er Konsequenz oft mit Strenge. Und das ist genau das, was ich für die Maus nicht möchte, denn sie soll nicht einfach nur “funktionieren”.

      Er ärgert sich ganz oft darüber, wenn die Maus trotz aller Meckerei und trotz aller Versuche nicht auf ihn hört. Ich muss oft nur sagen “Ich möchte gern, dass du…”, sie schaut mich an, sagt ja und macht es…
      Das ist eben auch eine Sache, die ihn verzweifeln lässt. Ich denke, dass er sich deswegen oft selbst in Frage stellt und sich deswegen nicht mit ihren Wutanfällen auseinander setzen möchte…

      Ist eine nicht ganz einfache Situation, die sich hoffentlich irgendwann löst… Nicht zur “Perfektion”, aber vielleicht so zur Zufriedenheit, dass mein Mann nicht so häufig an meiner Tochter verzweifelt und ich nicht so oft an ihm…

      Ja aus deinem Kommentar und meiner Antwort hätte man von der Länge her fast einen eigenen Artikel schreiben können 😉

      LG
      Daniela

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