Dankbarkeit…

Manchmal kommen einem die eigenen Probleme so nichtig vor…
Vorgestern hatten wir Elternabend bei den Tagesmuttis (Ja es sind mehrere 😉 ) der Maus, auf dem sich auch ein paar neue Eltern vorgestellt haben, die mir alle bis auf einen nicht im Gedächtnis geblieben sind.

Der eine, der mir im Gedächtnis geblieben ist, ist Marcus. Marcus bedankte sich in der Runde bei den Tagesmüttern für die tolle und liebevolle Eingewöhnungszeit, die sein Sohn hatte. Und er bedankte sich nochmal besonders dafür, dass sein Sohn trotz seiner Mukoviszidose aufgenommen wurde, denn in den normalen Kitas ging das nicht.

Bäähm!!! Da war er! Der Moment, der einem volle Kanne in die Fresse schlug…! Der Moment, an dem man feststellt, dass man es doch ganz gut hat, trotz aller Probleme und Schwierigkeiten, die trotzdem auch alle ihre Daseinsberechtigung haben.
Der Moment, an dem man feststellt, dass da gerade jemand sitzt, der aber auch wirklich die goldene unter den Arschkarten gezogen hat.

Irgendwie traurig, zuerst so einen Moment erleben zu müssen, um das was man hat, schätzen zu können.
Das seltsamste dabei ist, dass ich aufgrund meines Jobs eigentlich immer wieder mit solch schlimmen Diagnosen konfrontiert bin und auch gut damit umgehen kann. Aber auf Arbeit habe ich in den letzten 10 Jahren gelernt, dass man als Heilerziehungspflegerin eine gewisse Distanz zu seinem Klientel haben muss. Bisher habe ich das immer gut geschafft. Aber das war nochmal eine andere Nummer, denn ohne die Professionalität, die ich sonst so an den Tag lege, ist der Gedanke, dass da ein Kind ist, dass so krank ist, dass jeder Infekt tödlich sein könnte, schwer zu ertragen.
So schwer zu ertragen, dass ich trotz meines Berufes echte Schwierigkeiten hatte, mich da hinein zu fühlen.

In einer Unterhaltung mit Marcus nach dem Offiziellen Teil des Elternabends, erzählte er mir, dass der Kleine ein Langzeitantibiotikum einnehmen muss, damit erst gar kein Infekt zustande kommt. Außerdem sind sie von einem großen Haus in eine kleine Wohnung gezogen, damit sie nicht so viel zu desinfizieren haben.
Das ist hart… Allein die Tatsache damit zu leben ist unglaublich hart. Zu sagen „Wir wollen unserem Sohn ein schönes Leben bieten und ihn trotz aller Ängste nicht einsperren oder von allem fern halten.“ ist meiner Meinung nach wahnsinnig mutig und bewundernswert.

Ich bin so dankbar dafür, dass die Maus gesund ist. Sie kann wahnsinnig anstrengend, eigenwillig und dickköpfig sein. Manchmal bringt sie mich zur Weißglut und raubt mir meinen letzten Nerv. Aber sie ist gesund… Mir ist durch die Begegnung mit Marcus wieder klar geworden, dass Gesundheit eines der wichtigsten Dinge des Lebens ist… Etwas, worüber wir wahnsinnig dankbar sein sollten, denn Gesundheit ist eben nicht selbstverständlich.
In diesem Sinne werde ich die Maus beim zu-Bett-gehen gleich noch ein wenig fester drücken als sonst…

Wie ist es bei euch? Könntet ihr euch vorstellen, wie es einem geht, wenn man mit so einer Diagnose leben muss? Wie es ist, wenn man Angst haben muss, dass das eigene Kind irgendwann vor einem selbst stirbt?

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5 Gedanken zu “Dankbarkeit…

  1. schimpfmalmama schreibt:

    Leider wird einem das eigene Glück immer erst in solchen Situationen bewusst, mir geht es da auch so. Und anstatt jeden Tag dankbar für gesunde Kinder zu sein, regt man sich über Nichtigkeiten auf, wo andere viel schlimmere Probleme haben. In solchen Momenten komme ich mir auch oft ganz schlecht vor, weil ich viel zu selten das zu schätzen weiß was ich habe!

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    • phidalina schreibt:

      Hallo,
      jedes Poblem, auch, wenn es erst mal in anderen Augen nur Kleinigkeiten sind, hat seine Daseins-Berechtigung. Wir haben eben nicht jeden Tag ein gleich dickes Fell. Hab also kein schlechtes Gewissen… Sei dir nur immer bewusst, dass es dich auch schlimmer hätte treffen können…

      LG
      Daniela

      Gefällt 1 Person

  2. Deine Christine! schreibt:

    Krankheit ist immer schlimm und wenn es das eigene Kind betrifft stelle ich mir das noch schlimmer vor. Ich bin froh, das ich zu der Zeit als mein Sohn noch klein war, alles mit ihm machen konnte. Buden bauen, Bratpfannenkampf, rennen, verstecken usw. Jetzt würde das nicht mehr gehen, da ich MS habe. – Für die gesunde Zeit bin ich sehr dankbar. Zum Glück ist er gesund. 🙂

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