Aller Anfang ist schwer… #regrettingmotherhood

Eigentlich hatte ich nicht vor einen Artikel zum Thema #regrettingmotherhood zu schreiben, möchte jetzt aber doch auch gerne das ein oder andere Wort dazu loswerden.

Beim ersten Durchlesen des SZ-Artikels war ich etwas schockiert darüber, dass man seine Mutterschaft bereuen kann, doch je mehr darüber diskutiert wurde, desto mehr habe ich darüber nachgedacht. Und je mehr ich nachdachte, desto klarer wurde mir, dass ich es schon mehr als ein oder zwei male bereut habe jemals Mutter geworden zu sein.

Der Grund, dass ich es oft bereut habe ein Kind bekommen zu haben bin aber nicht ich oder noch schlimmer, meine Tochter, sondern die Gesellschaft, die uns ein komplett falsches Bild vom Eltern-sein vermittelt. Das Bild vom lieben, kleinen süßen schlummernden Baby. Ihr wisst schon, das Baby, das einfach so neben her lebt.

Und da die Maus mein erstes Kind ist, bin ich natürlich ziemlich blauäugig in das Abenteuer Schwangerschaft oder besser gesagt Mutterschaft gegangen.
Die Erwartungen waren, genau wie die Freude auf meine bevorstehende Elternzeit riesengroß.
In meinen Gedanken war das Mama-werden ein Klacks.
Leider wurde ich dann ziemlich unsanft aus meinem schönen Wunschtraum gerissen, denn ich hatte ein Schreibaby. Eins, das bei jeder „Kleinigkeit“ überfordert war und extrem wenig geschlafen hat.

Zu Beginn dieser Phase habe ich mir noch erfolgreich einreden können, dass dies nur vorrübergehend ist. Ich war sicher, dass ich das schaffen kann.
Leider stieg aber mit zunehmender Erschöpfung die Verzweiflung. Ich habe es zutiefst bereut jemals Mama geworden zu sein. Habe gedacht, dass ich unfähig bin, da doch jede Mutter dazu in der Lage sein muss, ihr Kind zu verstehen.

Auch nach der „Schreiphase“ wusste ich einfach nicht so recht, was ich mit diesem kleinen Würmchen anfangen soll. Sie wollte immer nur getragen werden. Mal kurz für ein paar Minuten auf der Spieldecke liegen wäre schön gewesen. Gab´s aber nicht. Ich war nur genervt. Habe mich ständig gefragt „Das soll jetzt also mein neues Leben sein?“

Nach einem Jahr habe ich den Tag, an dem ich wieder arbeiten konnte herbeigesehnt. Endlich wieder ein kleines Stück, das mir aus meinem alten Leben geblieben ist.
In der Zeit ist der Superheld noch für zwei Monate in Elternzeit gegangen. Die kleine Maus hat sich in den Monaten vom Mama-Kind zum absoluten Papa-Kind verwandelt. Nichts durfte ich mehr mit ihr machen. Sogar hochheben war verboten und wurde mit einem riesigen Gebrüll beantwortet.
Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Ab da an war für mich klar, dass ich niemals ein zweites Kind haben möchte.
Ich war mit der gesamten Situation komplett überfordert und wusste nicht, wie ich damit umgehen soll.

Erst, als ich ein wenig Abstand zur Maus bekommen habe und mich viel mit unserer Tagesmutti austauschen konnte, wurde es besser. Ich habe festgestellt, dass diese perfekten Bilderbuch-Babys selten sind und das die anstrengenden Babys eher der Normalität entsprechen.
Durch andere Blogs habe ich gemerkt, dass mir von der Gesellschaft ein völlig falsches Bild über Kinder eingetrichtert hat.

Erst, als ich das erkannt habe wurde ich entspannter. Ich habe mich endlich in meine Rolle als Mutter eingefunden. Die Maus hat ihre extreme Papa-Phase abgelegt und ich konnte die Zeit mit ihr endlich genießen.
Mittlerweile bereue ich nichts mehr, denn ich bin wahnsinnig glücklich darüber Mama geworden zu sein. Jeden Tag sehen, wie viel Liebe so ein kleines Wesen einem entgegenbringen kann ist genauso faszinierend, wie die Fortschritte, die die Maus täglich macht.
Ein Leben ohne sie kann und will ich mir nicht mehr vorstellen. Und ich kann es außerdem kaum erwarten, am Ende des Jahres -hoffentlich- einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen, denn dann soll die Maus auf alle Fälle noch mindestens ein Geschwisterchen bekommen…

Wie war/ist es bei euch? Gab es auch Zeiten, in denen ihr eure Mutterschaft bereut habt?

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4 Gedanken zu “Aller Anfang ist schwer… #regrettingmotherhood

  1. Frühlingskindermama schreibt:

    Liebe Daniela,
    danke für Deinen offenen Beitrag. Ich finde es so interessant, wie unterschiedlich Mamas sind. Bei Dir klingt es so, als hättest Du es trotz ähnlicher Erfahrungen mit Deinem Baby Dir lange Zeit gar nicht eingestanden, dass Du die Mutterschaft zumindest zeitweilig bereut hast. Oder es war Dir nicht bewusst. Ich denke, jede Mama hat da so eine hohe Selbstzensur, dass diese noch zusätzlich dazu beiträgt, dass man sich schlechtfühlt. Ich weiß nicht, wie es mit dem Verständnis in Deinem Umfeld aussah. Bei mir kam noch hinzu, dass mich keiner verstanden hat und ich solche Gedanken nicht mal aussprechen durfte. Habe es trotzdem gemacht und viele schwierige Situationen provoziert.
    Bei mir ist es auch so, dass das Bild, was von Babys und glücklichen Müttern vermittelt wird, viel zu meiner Verzweiflung beigetragen hat. Außerdem noch das durchgehend negative oder nicht vorhandene Feedback des Kindes. Dass Du jetzt schon ein anderes Gefühl entwickelt hast, ist toll. Ich habe dafür viel länger gebraucht.
    Liebe Grüße!

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    • phidalina schreibt:

      Hallo Frühlingskindermama,
      nennen wir es enfach mal Verdrängung. Da ich Heilerziehungspflegerin bin, war es mir auch einfach unangenehm zugeben zu müssen, dass ich überfordert war. Jemand mit einem pädagogischen Beruf, der mit seinem eigenen Kind nicht klar kommt, hat sogar in meiner Welt nicht zusammengepasst…
      Mir hat viel geholfen, dass ich in der schlimmen Zeit eine ganz liebe Freundin über ein Eltern-Forum kennen gelernt habe, die ähnliche Probleme mit ihrem Sohn hatte…. Sie war die einzige, mit der ich wirklich offen und ehrlich über meine Probleme mit der Maus sprechen konnte.
      Danke für deinen Kommentar…

      LG
      Daniela

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      • Frühlingskindermama schreibt:

        Das war bei uns insofern ähnlich, als dass wir den Großen ja durch eine Kinderwunschbehandlung bekommen hatten und es daher doppelt schwer fiel, die Überforderung und das Unglücklichsein zuzugeben. Das durfte einfach nicht sein:(
        Liebe Grüße nochmal!

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