Der nette Onkel von nebenan

Gestern waren wir zum Osterkaffee bei Opa und Stief-Oma zu Besuch. Nach einer Stunde Rumsitzen und Kaffeetrinken wurde die kleine Maus, verständlicherweise ein wenig ungeduldig, so dass wir uns dazu entschlossen haben das gute Wetter auszunutzen und der Maus noch etwas „Auslauf“ zu gönnen…

Als wir da so am Kanal entlanggelaufen sind, versuchte sich die Stief-Omi, wie erwartet wieder als beste Animateurin aller Zeiten. Da ich das in der Regel viel zu übertrieben und ehrlich gesagt auch ziemlich nervig finde, habe ich versucht wegzuhören und habe einfach mal versucht zu entspannen.

Und als ich schön entspannt, endlich mal ohne zu reden, vor mich hin spazierte, wurde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen, denn die Stief-Oma sagte ganz plötzlich zur Maus: „Schau mal A., da hinten ist ein netter Onkel auf dem Boot.“ Ich dachte mich verhört zu haben und habe sie gefragt, was sie da gerade zur Maus gesagt hatte. Sie antwortete: „Nichts… Nur, dass da ein netter Onkel auf dem Boot ist.“

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, habe ich ihr ziemlich forsch geantwortet, dass das da auf dem Boot definitiv kein Onkel ist, sondern ein Mann und dass ich nicht möchte, dass sie fremde Männer oder Frauen als Onkels und Tanten bezeichnet. Und ob der Mann nett ist, weiß sie schon gar nicht.

Die Worte Onkel oder Tante stehen nun mal für einen Verwandtschaftsgrad. Jemand mit diesem Verwandtschaftsgrad gehört meist recht eng zur Familie. Für mich bedeutet Familie unter anderem, dass ich meinem Familienmitglied vertrauen kann und ich mich auf ihn verlassen kann.
Das sind genau die Eigenschaften, die ich einem fremden Menschen jetzt nicht unbedingt zuschreiben würde…

Vielleicht interpretiere ich in meiner Kinderschänder-Paranoia vielleicht etwas zu viel in die Worte Tante und Onkel aber ich denke, dass diese Bezeichnung (Klein)Kindern eine Vertrautheit und eine (familiäre) Nähe suggeriert, wo keine ist. Ich denke also, dass dies auch sehr gefährlich sein kann, wenn man nicht gerade an den netten Onkel von nebenan gerät. Meiner Meinung nach sollte von Anfang an ganz klar eine Grenze zwischen fremd und vertraut gezogen werden.

Auch mit dem Vorschlag, den Mann doch als einen fremden Onkel zu bezeichnen, hat mich das Thema echt wütend gemacht. Warum denn den Mann nicht einfach so als Mann bezeichnen oder die Frau einfach nur Frau nennen? So, wie es eben ist. Es ist ja schon schwer genug, den Kindern beizubringen, wie sie sich einem fremden Menschen gegenüber verhalten sollen und welchen fremden (z.B. Polizisten) sie trotzdem vertrauen können.

Letztendlich hat meine Stief-Schwiegermutter ohne schlimmere Diskussionen eingelenkt und wird fremde Menschen nur noch Mann oder Frau nennen.

Wie ist es denn bei euch? Habt ihr noch (ältere) Verwandte, die fremde Menschen als Tante oder als Onkel bezeichnen? Habt ihr es vielleicht selbst noch so vorgelebt bekommen? Wie denkt ihr darüber?

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