Die Pille danach als freiverkäufliches Medikament

Ich bin zwar nicht unter die seriösen Informations- und Nachrichtenautoren gegangen aber seit heute gibt es nun offiziell die Pille danach freiverkäuflich in der Apotheke. Und da es hier im Blog um mich und mein Leben geht, gehts es auch um meine persönliche Sicht der Dinge über aktuelle Themen…

Als ich letzte Woche darüber gelesen habe, war ich wenig darüber begeistert, denn vor ungefähr 12 Jahren war ich in einer Situation, in der ich die Pille danach einnehmen musste.
Daran erinnere ich mich so gut, weil die Nebenwirkungen damals echt heftig waren. Mir war mehrere Tage echt übel, ich hatte Kopfschmerzen und ich war fast schon ein wenig depressiv. Bevor ich die Pille danach bekommen habe, musste ich zur Frauenärztin und wurde untersucht. Die Ärztin hat dabei festgestellt, ob es vom Zyklus her überhaupt notwendig ist, das Medikament einzunehmen.

Eigentlich war ich immer dagegen die Pille danach ohne Rezept zu bekommen, da es meiner Erfahrung nach ein echt heftig wirkendes Medikament ist. Daraufhin hat mir die liebe Manati von Manatis Welt, die nicht nur Bloggerin, sonder auch Apothekerin ist, meine ganzen Fragen beantwortet und mich somit beruhigt.
Das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten…

Vorab: Dies ist keine offizielle Beratung bezüglich der Pille danach. Wer Fragen dazu hat oder denkt, dass er das Medikament benötigt, wende sich bitte an eine Apotheke oder an einen Arzt.
Auch möchte ich hier keine Werbung für oder gegen die Pille danach machen.

1.) Seid ihr Apotheker angehalten besonders zu beraten?
Ja, es gibt – wie seit Inkrafttreten der neuen Apothekenbetriebsordnung für alle Medikamente- eine Beratungspflicht. Speziell für die „Pille danach“ wird eine „qualitativ hochwertige Beratung“ gefordert-wie genau diese aussehen soll, ist bislang unklar, es gibt aber seitens der Apothekerkammer einen ca. 10seitigen „Leitfaden“ hierzu. Wichtig ist u.a., eine bereits bestehende Schwangerschaft auszuschließen, über die richtige Einnahme aufzuklären und die Frau darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei lediglich um ein Notfallverhütungsmittel handelt.

2.) Ist die Pille danach gesundheitlich unbedenklich?
Es können- wie bei jedem anderen Medikament auch- Nebenwirkungen auftreten. Trotzdem gilt die Pille danach als „sicher“ und auch die künftige Fruchtbarkeit wird dadurch definitiv nicht beeinflusst.

3.) Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?
Es gibt 2 verschiedene Wirkstoffe, der eine ist Ulipristalacetat (EllaOne), der andere Levonorgesterel (PiDaNa). Beide werden aus der Verschreibungspflicht entlassen, allerdings wird Mitte März zunächst nur die EllaOne rezeptfrei, bei der PiDaNa wird es aus organisatorischen Gründen vermutlich noch etwas dauern.
Beide Pillen haben aber ein ähnliches Nebenwirkungsprofil: zu den häufigsten Nebenwirkungen (häufig heißt, dass diese in 1-10% der Fälle auftreten) zählen Kopfschmerzen, Übelkeit und Unterleibsbeschwerden. Auch kommt es häufig zu einer veränderten Einsetzung der folgenden Regelblutung. Affektive Störungen (d.h. Veränderungen der Stimmung und des Antriebs) zählen ebenfalls zu den häufigeren Nebenwirkungen und können sich z.B. durch eine depressive Verstimmung, einen gesteigerten Antrieb oder ein erhöhtes Schlafbedürfnis äußern (alles vorübergehend!).

4.) Wie ist die genaue Wirkweise der Pille danach?
Levonorgestrel wirkt – wie auch in der normalen Verhütungspille- indem es den LH-Anstieg und somit den Eisprung unterdrückt. Die Ovulation setzt normalerweise 24-48 Stunden nach dem LH-Anstieg ein, d.h. wenn das LH bereits gestiegen ist, kann der ES durch dieses Präparat nicht mehr verhindert werden- es wäre in diesem Zeitfenster unwirksam. Es wird auch diskutiert, dass hierdurch das Zervixsekret verdickt und so schlechter durchdringbar für die Spermien wird.

Ulipristalacetat ist ein sog. Progesteron-Rezeptor-Modulator, so dass das körpereigene Progesteron dort nicht andocken kann. In Folge wird auch hier der ES verhindert bzw. verzögert (um etwa 5 Tage), auch wenn bereits das LH angestiegen ist. Deshalb ist die EllaOne bzgl. der „verhütenden“ Wirkung sicherer als die PiDaNa, denn auch wenn der Follikel kurz vor dem Springen steht (bis etwa 18mm), wird dies noch unterdrückt.

Beiden gemeinsam ist, dass sie keinerlei Wirkung auf eine bereits befruchtete und eingenistete Eizelle haben- eine bestehende Schwangerschaft kann somit nicht abgebrochen werden und es handelt sich bei beiden Präparaten nicht um Abtreibungspillen!

5.) Wie hoch ist die Gefahr von Medikamentenmissbrauch?
Ich persönlich denke, dass dieser hier nicht höher als bei anderen Medikamenten ist. Das ist einerseits eine Kostenfrage (eine PiDaNa kostet ca. 20€, eine EllaOne ca. 35€), weshalb alleine deshalb diese Medikamente als Dauerverhütung eher ungeeignet sind. Des Weiteren geht es natürlich auch um die Beschaffung, da hier nur je eine Tablette enthalten ist. Und letztendlich ist die Pille danach auch nicht so sicher, wie bspw. die normale Verhütungspille (siehe oben: Unwirksamkeit von Levonorgestrel im Zeitfenster zwischen LH-Anstieg und Eisprung). Wenn die Patientin darüber hinreichend aufgeklärt ist, wird sie vermutlich nicht auf den Gedanken kommen, diese Medikamente als Dauerverhütungsmittel nehmen zu wollen.

6.) Was passiert bei Überdosierung?
Getestet wurden bei Ulipristalacetat Dosen bis 200mg, diese wurden problemlos vertragen. (Eine Tablette enthält 30mg, nur als Einzeldosis erhältlich). Welche Nebenwirkungen hier in noch höheren Dosen auftreten könnten, ist nicht genauer untersucht worden. Nach bisheriger Datenlage sind in den normalen Dosen keine teratogenen Wirkungen auf den Embryo bekannt, falls bereits eine Schwangerschaft vorliegen sollte, allerdings fehlen hier weiterreichende Daten.

Levonorgestrel hat auch in Überdosen keine gravierenden Nebenwirkungen, es können Entzugsblutungen auftreten oder sehr häufig (>10%) Übelkeit und/oder Erbrechen. Falls bereits eine Schwangerschaft bestehen sollte, wirkt sich dieser Wirkstoff auch nicht fruchtschädigend aus.

7.) Wie sicher ist die Pille danach?
Hierzu gibt es verschiedene Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass unter EllaOne ca. 1% der Frauen schwanger wurden, unter der PiDaNa ca. 2%.
(Hierzu muss natürlich gesagt sein, dass eine Frau ohnehin nur an sehr wenigen Zyklustagen schwanger werden kann und die Einnahme der „Pille danach“ erfolgt rein statistisch v.a. an Tagen, wo ohnehin keine Schwangerschaftsgefahr bestünde- also fließen auch diese Daten mit in die Statistiken ein).
Wichtig ist, dass die PiDaNa innerhalb von 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen wird, während die EllaOne noch bis zu 5 Tage danach wirksam ist. Je früher die Einnahme, desto höher die Wirksamkeit!
Die PiDaNa gilt nur als zuverlässig bei Patientinnen bis zu 75kg, EllaOne bis zu 90kg.

8.) Was passiert, wenn die Patientin bei der Einnahme bereits schwanger ist?
Bei Levonorgestrel nichts- kann weder Abbruch auslösen, noch ist es fruchtschädigend.
Ulipristalacetat kann auch keinen Abbruch auslösen (wobei diskutiert wird, ob dies in sehr hohen Dosen nicht doch möglich sei; hier sprechen wir allerdings von deutlich mehr als 200mg- eine Tablette enthält 30mg und es wird auch nur die eine eingenommen! Weiterreichende Daten, ob dies in sehr hohen Dosen tatsächlich der Fall sein kann, fehlen bisher) und wirkt lt. bisheriger Datenlage in der normalen Dosis wohl auch nicht teratogen. Allerdings ist diese Pille erst seit 5 Jahren auf dem Markt, so dass auch hier weiterreichenden Daten fehlen.

9.) Gibt es höhere Risiken bei Frauen mit Problemen wie Rauchen, Übergewicht usw.?
EllaOne sollte nicht gegeben werden, wenn die Frau eine starke Asthmatikerin ist und Glucocorticoide einnimmt.
Bei Frauen mit diesen Risikofaktoren ist eine hormonelle Verhütung – so auch mit Levonorgestrel in der PiDaNa- immer sorgfältig zu prüfen, da hier in der Tat ein erhöhtes Risiko für z.B. eine Venenthrombose bestehen kann. Trotzdem ist bei einer einmaligen Gabe der PiDaNa nicht mit erhöhten Risiken zu rechnen- als Dauermedikament eignet sie sich aber ganz klar nicht!

10.) Welche Einnahmefehler gibt es?
Je früher sie eingenommen wird, umso wirksamer. Die PiDaNa bis max. 3 Tage nach ungeschütztem GV, die EllaOne bis zu 5 Tage.
Wenn man die Pille innerhalb 3 Stunden nach Einnahme wieder erbricht, ist sie unwirksam und hier braucht man dann tatsächlich eine zweite Dosis.
Mit bestimmten Medikamenten (einige Antiepileptika, Antituberkulotika oder Johanniskraut) kann es zu Wechselwirkungen kommen, die die Wirkungen verringern könnten- hier klärt der Apotheker im Beratungsgespräch ab, ob die Patientin etwas davon einnimmt.
Wird hormonell verhütet (und wurde die Pille z.B. vergessen, weshalb die Pille danach genommen wurde), sollte dies auch im betreffenden Zyklus weitergeführt werden, um eine Abbruchblutung zu verhindern. Allerdings müssen zusätzliche Methoden angewandt werden, da die hormonelle Verhütung alleine evtl. nicht mehr ausreichend ist.

Liebe Manati, vielen Dank für deine ausführlichen und informativen Antworten!!
Das Interview mit Manati hat mich zwar beruhigt, aber ich denke dennoch, dass man vor der Einnahme zum Arzt gehen sollte, damit kontrolliert wird, ob es überhaupt (noch) nötig ist, die Pille danach einzunehmen, denn ich halte nichts davon Medikamente vorbeugend einzunehmen.

Außerdem finde ich, dass Ärzte dazu verpflichtet werden sollten, ein Notfallverhütungsmittel zu verordnen, sofern keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen. Die persönliche Meinung oder die Religion darf kein Grund sein eine Patientin in der Notaufnahme, die die Pille danach benötigt, wieder wegzuschicken.

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4 Gedanken zu “Die Pille danach als freiverkäufliches Medikament

  1. duese2013 schreibt:

    Super interessanter Artikel, vielen Dank für die super Recherche! ☺
    Ein wirklich interessantes Thema – ich habe z.B. auch nicht gewusst, dass sobald der LH-Anstieg stattgefunden hat, die Pille wirkunglos ist.
    Erstaunlich, dass dann „nur“ 1-2% aller Anwenderinnen schwanger werden…

    Ich weiß nicht, ob Du es schon gesehen hast, aber ich habe Dich für den „One lovely Blog Award“ nominiert und würde mich sehr freuen, wenn Du mitmachen würdest! 🙂
    Hier findest Du alle nötigen Infos dazu:
    https://wunschkindwege.wordpress.com/2015/03/17/22-2-oder-one-lovely-blog-award/

    Liebe Grüße!

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  2. Manati von Manatis Welt schreibt:

    Liebe Daniela, da hast du dir damals tatsächlich alle „klassischen“ Nebenwirkungen zugezogen. Was ich noch nicht gesagt habe: hier ist es tatsächlich so, dass die häufigsten Rezepte nicht etwa von einem Gyn kamen, sondern vom Hausarzt- der definitiv nicht untersucht hat. Oder auch schon erlebt: Verordnung vom Dermatologen! Das kommentiere ich jetzt alles nicht näher 😉
    LG

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    • phidalina schreibt:

      Hallo Manati,
      Schön… Am besten wir hauen uns jetzt alle ne handvoll Schmerzpillen hinter die Binde, denn wir könnten ja Kopfschmerzen bekommen. Rein vorsorglich, ohne dass wir es jetzt schon wissen… 😉
      Und genau deswegen die Kritik am Umgang mit einer freiverkäuflichen Pille danach. Letztendlich ist es doch einfach nur ein riesen Geschäft für die Pharma Industrie…

      LG
      Daniela

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