Alles inklusiv, oder was?

Wie ihr ja mittlerweile wisst, habe ich eine neue Arbeitsstelle in einer Kita gefunden. Seit dem 1.1.15 bin ich mittlerweile dort beschäftigt.
Die Kita liegt in einem sogenannten „sozialen Brennpunkt“ und ich bin als Heilerziehungspflegerin hauptsächlich für die I-Kinder zuständig.
Es ist also nicht immer ganz einfach und manchmal ganz schön nervenaufreibend.
Im Moment haben wir offiziell drei I-Kinder in der Gruppe. Ein I-Kind hat eine Entwicklungsverzögerung, das zweite I-Kind hat eine Sprachentwicklungsverzögerung ist aber ansonsten ein ganz lieber Junge und das dritte I-Kind hat sonderpädagogischen Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich. Früher nannte man es „verhaltensgestört“ oder „schwer erziehbar“.

Unsere Aufgabe, als Mitarbeiterinnen in einer inklusiven Kita ist, den Förderbedarf der I-Kinder auszugleichen, so dass sie wie alle anderen Kinder auch, am Kita Alltag teilnehmen können. Sie sollen also an allen Spiel- und Bastelangebote und auch an den Freispielzeiten mit den anderen Kindern teilnehmen können.

Die Situation ist aber so, dass wir nur zwei Heilerziehungspflegerinnen sind, mit drei I-Kindern, zwei weiteren Kindern, die einen I-Status im sozial-emotionalen Bereich haben sollten, ihn aber aus verschiedenen Gründen nicht bekommen haben und drei Kindern, die aufgrund ihres Migrationshintergrundes kaum deutsch sprechen bzw. verstehen können.

Die meisten Tage laufen so ab: Entweder ich oder meine Kollegin sitzen mit dem SE-Kind den halben Tag auf dem Kita-Flur, da es andere Kinder mit der Faust schlägt, sie kratzt, ihnen alle Sachen wegnimmt und ihnen droht sie zu verprügeln oder sogar zu töten.
Keine schöne Situation. Vor allem nicht für die anderen Kinder.

Was mich aber am meisten nervt ist der Zeitmangel. Ich bin absolut der Meinung, dass sein Verhalten irgendeine Begründung hat. Niemand ist grundlos so aggressiv. Aber es gibt aufgrund der knappen Personalsituation keine Möglichkeit mich mit meiner Kollegin zusammenzusetzen und Strategien zu erarbeiten, wie man seinem Verhalten gegenübertritt.
Auch alle Gespräche zwischen den Eltern des Jungen und der Kita-Leitung sind bisher fehlgeschlagen.

Wir sollen also in so einer Gruppe inklusiv arbeiten, obwohl wir keine Möglichkeit haben, Strategien zu entwickeln, sollen noch den 14 anderen Kindern wovon die Hälfte davon auch noch bestimmte Problematiken haben und sollen dem SE-Kind gerecht werden und herausfinden, woher seine Aggression kommt.

Wenn das Inklusion sein soll, dann Prost Mahlzeit….

Hier sollte sich die Politik unbedingt was überlegen, denn so wäre das Thema Inklusion leider zum Scheitern verurteilt…
Wir benötigen viel mehr Personal um diesen Problematiken gerecht zu werden, denn so bleiben nicht nur die I-Kinder auf der Strecke. Auch den „normalen“ Kindern kann man so nicht mehr gerecht werden.

Wie sieht es denn in den Kitas eurer Kinder aus? Gibt es da auch Kinder mit I-Status? Wenn ja, wie läuft dort die Betreuung?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s