Rabenmutter und Spaß dabei

Die meisten Mütter werden das kennen. Man hat den positiven Schwangerschaftstest in der Hand, ist überglücklich und malt sich schon jetzt aus, wie toll das Leben mit Baby sein wird.
Da man ja eine wunderbare und perfekte Mutter sein möchte, wird im nächsten Schritt schon alles, was auch nur annähernd schlecht und ungesund sein könnte verbannt. Plötzlich macht man sich über ungiftige Wandfarben Gedanken und putzt nur noch mit ungiftigen Bio-Orangen-Putzmitteln, die natürlich nicht zum Sprühen sein dürfen. Man könnte es ja einatmen.

Ich habe genauso angefangen. Alles, was dem Baby schaden könnte habe ich mir verboten. Ich bin monatelang mit einem furchtbar hässlichen Haaransatz herumgelaufen, habe mich nur noch gesund ernährt und sogar mit dem Rauchen aufgehört. Alles war perfekt….

Dann kam die Übelkeit. Nicht nur morgens, sondern ganztägig… Dazu die unglaublich schlimme Lust auf Fast Food, der ich natürlich nachgegangen bin.
Der erste Schritt zur Rabenmutter war also getan. Und ich habe mich sogar gut dabei gefühlt.
Also habe ich mir auch noch meinen Haaransatz nachfärben lassen… Auch dabei habe ich mich wieder unglaublich gut gefühlt.
Der Grundstein meiner Karriere zur Rabenmutter war also gelegt…

Meinen Superhelden habe ich zur Sau gemacht, wenn er mir irgendwelche Arbeiten abnehmen wollte -Ich bin ja schließlich nicht krank gewesen-.
Auch einen Geburtsvorbereitungskurs habe ich nicht gebraucht, haben ja schließlich auch schon andere Frauen ohne Kurs durchgezogen.
Nachsorgehebamme? So ein Scheiß… bin selber Heilerziehungspflegerin. Am Ende redet mir die noch rein…usw.

Ich habe mir geschworen, dass ich nach der Geburt, wenn die Maus mal auf der Welt ist, alles wieder besser mache als während der Schwangerschaft.
Ich wollte nur Vollstillen, immer geduldig bleiben, da so ein kleiner Wurm ja gar nichts dafür kann, wollte nur selbst kochen für die Maus und keine Gläschen geben, wollte kein Plastikspielzeug geben, wollte jeden Tag spazieren gehen und meinem Kind jeden Wunsch von den Augen ablesen.

Dann kam die Geburt. Überhaupt nicht perfekt. Eine Einleitung nach einem Blasensprung ohne Wehen. Dadurch hatte ich nach 8 Stunden „normalen Wehen“ einen Wehensturm, der 2 Stunden anhielt. Erst als ich endlich einen Buscopantropf bekommen habe, hatte ich endlich wieder 30 Sekunden Abstände zwischen den Wehen.
Nach insgesamt 10 Stunden Wehen war der Muttermund nun endlich bei 3 cm.
Endlich habe ich dann eine PDA bekommen können, was den Rest der Geburt einigermaßen erträglich gemacht hat.

Die ersten Lebenswochen war die Maus schön unkompliziert und pflegeleicht. Alles war super und bis auf ein paar größere Stillprobleme lief alles super und ich konnte wieder eine perfekte Mama sein.

Nach einem Monat begann die Schreiphase der Maus. Sie hat jeden Abend von 6 Uhr bis 1 Uhr nachts nur gebrüllt. 4 Monate lang. Ab da war es vorbei mit meiner Geduld. Ich war zeitweise so wütend auf die Maus und so fertig mit den Nerven, dass ich überlegt habe die Maus einfach in die Babyklappe zu stecken, um endlich wieder Ruhe zu haben.
Richtig wütend war ich zu der Zeit auch auf mich selbst. Auf meine Unfähigkeit die Maus zu beruhigen und sie zu verstehen. Mein schlechtes Gewissen über den Babyklappengedanken tat sein übriges. Ich wollte die Maus nicht mehr stillen oder sie überhaupt nur bei mir haben. Wir waren also sozusagen im absoluten Ausnahmezustand.
Zum Glück konnte der Superheld in dieser Zeit beruflich etwas kürzer treten.

Das nächste Problem war die Beikosteinführung. Die musste sein, da die Maus nicht gut zugenommen hat. Ich habe also immer selbst gekocht, obwohl ich dafür eigentlich keine Zeit hatte.
Und wieder war die Wut da. Zeitweise habe ich es bereut Mutter geworden zu sein. Es gab also Gläschen zu essen.

In dieser Zeit habe ich viel über das Leben mit der Maus nachgedacht. Habe mich gefragt, warum ich die einzige bin, die das alles nicht schafft.
Zum Glück habe ich dann eine ganz liebe Freundin kennengelernt. Ihr Wurm ist 2,5 Monate jünger als die Maus und sie hatten ähnliche Probleme zu Hause.
Dadurch habe ich angefangen lockerer zu werden. Ich habe mich vor allem nicht mehr darum gekümmert, was andere denken.

Endlich wurde es langsam besser mit der Maus. Es stellte sich endlich der langersehnte Rhythmus ein und ich habe endlich begonnen sie zu verstehen.
Mittlerweile stehe ich zu meinen kleinen Fehlern oder auch Überlebensstrategien.

Ich bin wahnsinnig glücklich über meine kleine Maus und möchte sie für nichts auf der Welt mehr hergeben. Es gibt nichts schöneres, als den Moment, in dem man von der Arbeit nach Hause kommt, von einer süßen kleinen Maus angestrahlt und umarmt zu werden.
Und, obwohl sie mit ihren Küsschen geizig ist, bekomme ich mittlerweile fast täglich eins…

Jetzt ärgert mich nur noch, dass einem die Gesellschaft ein ganz tolles Bild vom Leben mit Baby vorgibt. Ein Bild, das mich fast zur Verzweiflung gebracht hat.
Beim nächsten Kind werde ich hoffentlich von Anfang an etwas lockerer sein…

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